Ihre Wurzeln reichen zurück bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, zu Zeiten als auch schon Münchner Monumentalbauten wie das Siegestor, die Ludwigskirche und die Feldherrnhalle erbaut worden waren. Auch die triumphale Statue der berühmten Bavaria war bereits gegossen. Münchengenoss zu jener Zeit schon Großstadtniveau als seine Einwohnerzahl über 100.000 schnellte, weil die bis dato eigenständigen Vororte Giesing, Haidhausen und Au eingemeindet wurden. Der heutige Hauptbahnhof vonMünchen hieß damals "Centralbahnhof" und transportierte jeden Tag rund 1.500 Fahrgäste in verschiedenen Zügen, die auf fünf Gleisen ein- und ausfuhren. Und am Abend tauchten in der aufstrebenden Großstadt mit Flair hunderte von Gaslaternen das nächtliche München in einen ganz besonderen Zauber.

München, die Weltstadt mit Herz, machte sich auf den Weg, eine Metropole von Weltrang zu werden. Der heutige Marienplatz hieß damals noch Schrannenplatz und das Rathaus stand ebenfalls schon dort. Da wirkte das lauthalse Marktgefeilsche der Kornhändler direkt vor dem Rathaus schon recht deplatziert. Deshalb wurde dieser Getreidemarkt vom Rathausvorplatz zum Viktualienmarkt hinüber verlegt. Schrannenplatz hieß er einst darum, weil sich der Name vom italienischen Wort "scranna", das für Korn steht, ableitete.
Zu Ehren des bayerischen Königs Maximilian II. sollte die neu zu eröffnende Schrannenhalle München für den Kornhandel auf dem Viktualienmarkt offiziell eigentlich "Maximilians-Getreidehalle" heißen. Im Volksmund konnte sich das jedoch nicht durchsetzen, sie hieß weiterhin vom ehemaligen Schrannenplatz abgeleitet stetsSchrannenhalle. Dieses für seine Zeit einzigartige Bauprojekt nahm im Jahre 1851 der Stadtbaurat und Ingenieur Franz Karl Muffat ins Visier. Er schuf ein Wunder der Technik, das Geschichte schrieb und ließ ein avantgardistisches Bauwerk aus Schmiedeeisen und Glas entstehen, in Anlehnung an den Franzosen Gustave Eiffel, der in Paris in ähnlicher Baukultur den Eiffelturm geschaffen hat.
Die gesamte Länge der Schrannenhalle München beträgt 430 Meter, der ganze Komplex besitzt einen Mittelbau, der auf beiden Seiten von Kopfbauten aus Stein gekrönt wird. In der rekordverdächtigen Bauzeit von nur zwei Jahren wird die moderne Schrannenhalle München schließlich im Jahre 1853 eröffnet, zu dieser Zeit eine bauliche Sensation, man sprach vom "Wunder der Technik".

Dennoch hielt ihr Boom als Umschlagplatz für Getreide nur ungefähr 20 Jahre lang vor. Zu viele Kritiker stellten die Schrannenhalle an den Pranger wegen ihrer verkehrsungünstigen Lage und der weiten Entfernung zum Bahnhof, von wo aus das Korn angeliefert werden musste. Ab dem 20. Jahrhundert gab es dann große Konkurrenz für die auf dem Viktualienmarkt gelegene Schrannenhalle, eine verkehrsgünstiger gelegene Großmarkthalle im Süden von München lief ihr den Rang ab.
Bald darauf gab es immer mehr leer stehende Hallenbereiche, die alsbald für Messen und andere Märkte genutzt wurden. Im Jahre 1914 schließlich wurde die gusseiserne Schrannenhalle zur Hälfte abgetragen, der Rest wurde bei einem Brand im Jahre 1932 zerstört.
Die hälftig abmontierten Bauteile der Schrannenhalle wurden im Jahre 1978 zufällig vom Stadthistoriker und Architekt Volker Hütsch wiederentdeckt. Sie waren auf einer Länge von 110 Meter und einer Breite von 25 Metern im städtischen Gaswerk integriert und als Lagergebäude genutzt worden. Er ließ ein Gutachten bei der Technischen Universität anfertigen welches 1980 bestätigte, dass es möglich wäre, die Schrannenhalle von einst wieder herzustellen. Der Stadtrat beschloss noch im gleichen Jahr, sie tatsächlich zum Teil auf historischem Boden wieder zu errichten.
Die komplette Wiedererrichtung der Schrannenhalle beginnt aber erst im Jahre 2003, das alte, noch erhaltene Teilstück wird auf dem Viktualienmarkt aufgebaut und mit einem zeitgemäßen Eckgebäude erweitert. Die Eröffnungsfeier der Schrannenhalle auf dem Viktualienmarkt findet im September 2005 statt, doch die Konzepte der Hallenbetreiber gehen nicht auf, sie finden einfach nicht genügend Zuspruch unter den Marktleuten.

Und exakt 160 Jahre nach ihrem ersten Baubeginn eröffnet nun die Schrannenhalle auf dem Viktualienmarkt im Oktober 2011 erneut ihre weiten Hallenpforten. Ein altes Konzept, umgestaltet, modernisiert und dem heutigen Trend angepasst wird sie wiedererwecken und mit ganz neuem Leben erfüllen. Das reiche Angebot auf demViktualienmarkt findet in der Schrannenhalle seine Ergänzung und Erweiterung und die Münchner sind froh, ihr "neues, altes Stück München" wieder zu bekommen.